Unsere Schule
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Unsere Grundschule auf Norderney liegt mitten im Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer. Die Schule ist zweizügig und seit 2014 Offene Ganztagsschule. Die Angebote am Nachmittag gehen bis 15.30 Uhr.
Die Grundschule ist in einem 126 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude untergebracht, das nach und nach saniert wird und allen Kindern und den Erwachsenen, die dort arbeiten, genug Platz zum Arbeiten und Mittagessen bietet. Das Gebäude ist ein freundlicher Scheinriese: Bis auf zwei Räume wird jeder Raum täglich von uns genutzt. In diesem Jahr ist der kleine, aber wichtige Mensaanbau fertig geworden. Nun ist können wir noch entspannter das Mittagessen genießen.
Zwei große Schulhöfe, einer ist gepflastert, der andere wunderbar natürlich, laden die Kinder vormittags und nachmittags zum Spielen ein. Die aus Holz gebauten Spielgeräte sind zwar sichtbar in die Jahre gekommen, die findigen Mitarbeiter der TDN haben aber alle Geräte mit viel Geschick und prima Detaillösungen überarbeitet. Darüber freuen sich wirklich alle hier!
10 Lehrkräfte und eine pädagogische Mitarbeiterin unterrichten und betreuen unsere 163 Schüler und Schülerinnen der Jahrgänge 1 bis 4. Die kommen aus Bulgarien, der Schweiz, Griechenland, Ungarn, Rumänien, Serbien, Italien, Vietnam, Argentinien, Eritrea, der Ukraine, Kroatien, Albanien, Bosnien Herzegowina, Brasilien, Indonesien, dem Sudan und Deutschland. Schulbegleiterinnen und ein Schulbegleiter kümmern sich um Kinder, die besonders betreut werden.
Nachmittags arbeiten und spielen die für den Ganztag angemeldeten Schüler und Schülerinnen in den Räumen der Betreuung. Sieben Mitarbeiterinnen der Stadt Norderney sorgen für gute Stimmung, Ruhe zum Arbeiten und das Wohlergehen der Besucherinnen und Besucher.
Eine kleine Turnhalle ist Bestandteil der Schule. Schwimmbad, Bibliothek, Bademuseum, der Strand und viele andere Lernorte sind von der Schule aus in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Das Kinderheim Füertorn liegt in der Nähe der Schule.
Ein großer Teil unserer Schülerinnen und Schüler kennt sich bereits aus dem Kindergarten oder Kükennest. Nach Abschluss der Grundschulzeit wechseln die meisten unserer Schülerinnen und Schüler auf die Kooperative Gesamtschule Norderney mit den Zweigen Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Dort können sie bis einschließlich Klasse 10 zur Schule gehen.
Unser Einzugsgebiet ist die Insel Norderney. Norderney gehört zu den ostfriesischen Inseln im Niedersächsischen Wattenmeer und hat etwa 5400 ständige Einwohner aus 62 Nationen. Vom Festland ist Norderney an den meisten Tagen im Jahr tideunabhängig mehrmals täglich mit der Fähre von Norddeich aus zu erreichen.
Kolleginnen und Kollegen, die zum Leben und Unterrichten nach Norderney ziehen, können bei der Suche nach einer Wohnung auf die Unterstützung der Stadt Norderney zählen.
Aus den Norderneyer Schulchroniken zum 100-jährigen Bestehen des heutigen Grundschulgebäudes
Zum ersten Mal wurde dieser von Alfred Schoolmann geschriebene Text im Schuljahrbuch des Jahres 2000 veröffentlicht. Im letzten Jahr hatte unser Schulgebäude seinen 125. Geburtstag. Den haben wir im Kollegium still und sehr heimlich gefeiert, weil niemand Zeit und Kraft hatte, ein angemessenes Fest vorzubereiten. Das holen wir nach und feiern im Herbst mit unseren Zirkusprojekt.
Als vor 100 Jahren die Norderneyer Stadtväter ihrer gerade neuerbauten Schule den Namen „Centralschule“ gaben, wollten sie damit zum Ausdruck bringen, dass jetzt endlich alle Norderneyer Schüler, die bisher auf 4 Schulgebäude in der Stadt verteilt waren, in eine zentrale Schule gehen konnten.
Parallel zur Entwicklung Norderneys von einer bescheidenen Fischerinsel zu einem vielbesuchten Staatsbad verlief auch die Entwicklung des Norderneyer Schulwesens von bescheidenen Anfängen in einem zuletzt immer rasanterem Tempo, bis es notwendig wurde, dieses auch heute noch imposante Gebäude zu errichten, das für viele Jahrzehnte seine Aufgabe als zentrale Schule erfüllen konnte.
Vor rund 400 Jahren gab es noch nicht überall Schulen und es war vielerorts üblich, dass die Pastoren die Kinder der Gemeinde in ihrem Pfarrhaus unterrichteten. So war es auch auf Norderney.
Es verwundert deshalb, dass schon 1704 auf Norderney ein eigenes Schulgebäude errichtet wurde, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nur rund 50 Familien auf Norderney gab. Wahrscheinlich war das Pfarrhaus für den Schulbetrieb aber doch zu klein geworden. Die Witwe eines Magisters Schröder aus Wichte „verehrte ein Grundstück zu einer besonderen Schule“ und legte selbst den Grundstein. Das Schulgebäude lag an der Ecke der heutigen Poststraße und Langestraße.
Unterrichtet wurden die Kinder in dem neuen Gebäude zunächst von dem Pastor Husius, der von 1697 bis 1712 Pastor auf Norderney war. Er und seine Nachfolger beklagten sehr, dass die Kinder vor allem im Sommer nur sehr unregelmäßig zur Schule kamen. So erklärte der Pastor 1708, dass er zufrieden wäre, wenn im Sommer von 70 schulp?ichtigen Kindern etwa 40 kämen. Im Sommer mussten die Kinder ihren Eltern oft helfen. Bis ins nächste Jahrhundert hielt dieser unregelmäßige Schulbesuch an, obwohl eine Schulp?icht vom 6. bis zum 12. Lebensjahr das ganze Jahr über schon seit 1700 laut einem Erlass des Landesfürsten bestand. Für jedes Kind musste Schulgeld bezahlt werden, jährlich ein Gulden oder 20 Stüber, und im Winter musste ein Soden Torf für den Ofen im einzigen Klassenraum mitgebracht werden.
1735, die Insel hatte inzwischen schon 405 Einwohner, wurde der erste Lehrer eingestellt, der aber nicht amtlich anerkannt wurde und nach 2 Jahren von der Insel verschwand.
1748, Norderney gehörte inzwischen zu Preußen, wurde dann der erste Lehrer amtlich angestellt. Aber noch 1758 machte man dem damaligen Lehrer den Vorwurf, dass die Kinder bei ihm nichts lernten, weil er selber weder richtig schreiben noch rechnen noch vorsingen könne. Viele Norderneyer konnten noch nicht einmal ihren Namen schreiben.
Unterrichtet wurde bis weit ins nächste Jahrhundert nur in den Fächern Lesen, Schreiben und Religion. Im Rechnen wurde nur auf Wunsch der Eltern und meist gegen zusätzliche Bezahlung unterrichtet. Sehr viel wurde auswendig gelernt, vor allem Bibeltexte, Katechismus und Kirchenlieder.
1836 wurde an der Kreuzung der heutigen Poststraße und Jann-Berghaus-Straße (heute steht dort das Bistro „Börse") ein neues Schulgebäude mit einem Klassenraum errichtet. Das alte Gebäude diente ab da als Lehrerwohnung.
Ab 1848 war Claas Hohlen alleiniger Lehrer auf Norderney. Er hatte inzwischen 127 Schüler zu unterrichten und stellte deshalb einen Gehilfen (Lüttje Mester) ein, mit dem zusammen er drei Klassen unterrichtete.
1860 bekam die Schule dann einen kleinen Anbau für die Klasse des Hilfslehrers. Noch immer nahmen die Norderneyer die Schulp?icht im Sommer nicht so ernst und ließen die Kinder beim Fischfang und beim zunehmenden Vermietungsgewerbe mitarbeiten. Der Lehrer schritt nicht ernsthaft dagegen ein. Erst als er bei einer großen Schul- und Kirchenrevision 1860 deswegen vom Königlichen Consistorium ernstlich ermahnt wurde, führte er Listen über den regelmäßigen Schulbesuch und meldete die säumigen Schüler zur Bestrafung. Der Schulbesuch im Sommer stieg daraufhin sprunghaft an.
1868 besuchten 226 Kinder die Schule, die, wenn kein Gehilfe vorhanden war, alle in qualvoller Enge in einem Raum unterrichtet wurden. Der Lehrer Gerdes, der zu diesem Zeitpunkt unterrichtete, führte deshalb Halbtagsunterricht ein. Vorher hatten alle Kinder vormittags und nachmittags Unterricht, außer am Mittwoch und Samstag. 1869 wurde eine Lehrerwohnung an die Schule angebaut.
1871 wurde endlich ein zweiter Lehrer, Herr Eilts angestellt. Eine Mädchen- und eine Jungenklasse mit zusammen 278 Kindern wurden eingerichtet, die aber nur halbtags unterrichtet wurden, weil das Schulgebäude noch zu klein war.
1872 war der Erweiterungsbau der Schule fertig, die jetzt 3 Klassenräume und 2 Lehrerwohnungen enthielt. Da Lehrergehilfen schwer zu bekommen waren, wurde ein dritter Lehrer, Herr Meier, eingestellt.
1874 wurde das erste alte Schulgebäude an der Langestraße, das seit längerer Zeit als Mietwohnung diente, abgebrochen und ein neues weiteres zweiklassiges Schulgebäude an dergleichen Stelle gebaut, dort, wo heute (im Jahr 2000) „Ihr Platz“ steht. Ein vierter Lehrer und eine Handarbeitslehrerin wurden eingestellt. Die Schülerzahl war inzwischen auf über 300 angewachsen.
1883 stieg die Schülerzahl auf 384 und ein fünfter Lehrer wurde eingestellt.
Schon 1860 bestand bei einigen Norderneyern der Wunsch nach weitergehender Bildung und sie gründeten eine „Nebenschule“, in der wenige Kinder von einem Privatlehrer unterrichtet wurden. 1883 wurde im Haus Marienstraße 11 eine private Mittelschulklasse eingerichtet. Daneben gab es noch eine Privatklasse in Schuchardts Hotel und eine am Leuchtturm, zunächst nur für die Kinder der Leuchtturmwärter.
1887 wurde aus der privaten Mittelschulklasse gegen den erbitterten Widerstand der Volksschullehrer eine staatliche Mittelschule, in der am 1.Dezember 1887 der Lehrer Stolting aus Pewsum seinen Dienst aufnahm.
1888 wurde ein neues zweistöckiges Schulgebäude mit 4 Klassen für je 80 Kinder links vom Rathausparkplatz gebaut. Hier wurde die Mittelschulklasse untergebracht und ein Jahr später auch die neu gegründete gewerbliche Fortbildungsschule (Berufsschule) und die Fischerklasse, in der sich die jungen Fischer freiwillig weiterbilden konnten.
Für die über 500 Schüler der Volksschulklassen und die 34 Schüler der Mittelschulklasse war vorübergehend genug Platz. Auch wurde jetzt noch ein sechster Lehrer eingestellt. Nur von der nötigen Zusammenarbeit zwischen dem Leiter der Volksschule, Herrn Eilts, und dem Leiter der Mittelschulklasse, Herrn Stolting, war nichts zu sehen. Ein heftiger Konkurrenzkampf mit gegenseitiger Abwerbung der Schüler entstand, mit dem Erfolg, dass 1890 nur noch 6 Schüler die Mittelschulklasse besuchten. Der Schulvorstand versuchte schon die Versetzung der Lehrer Eilts und Stolting zu erreichen. Doch da die Schule jetzt eine ausreichende Größe hatte, um von einem Rektor geleitet zu werden, schrieb die Regierung den Posten des Rektors aus.
1891 trat der erste Rektor der Volksschule Norderney, Franz Volkmann, seinen Dienst an und übernahm die Leitung beider Schulen. Er richtete eine zweite Mittelschulklasse für den 5. und 6. Jahrgang ein und übernahm selbst die Leitung des 7. und 8. Jahrgangs der Mittelschule.
Die Schülerzahlen wuchsen stetig. Schon bald mussten die Lehrerwohnungen in Klassenräume umgewandelt werden. Seit 1892 dachte man über den Bau einer ganz neuen zentralen Schule nach. Rektor Volkmann schlug geeignete Grundstücke vor und machte genaue Berechnungen, ob der Schulweg von den verschiedensten Punkten der Stadt auch zumutbar wäre. Wegen der hohen Kosten konnte man sich aber noch nicht dazu entschließen. 1898 baute man deshalb noch in der Benekestraße 13 ein viertes Schulgebäude mit zwei Klassenräumen und einem eigenen kleinen Schulhof. Bis 1899 war die Schülerzahl auf 798 angewachsen. 16 Klassen wurden von 17 Lehrern unterrichtet. Ein Neubau ließ sich nicht mehr umgehen. Nach einem Wettbewerb wurde aus 49 Entwürfen der Plan des Hamburger Architekten Grotjahn ausgewählt.
1900 wurde dann die neue „Centralschule“ mit 18 Klassenräumen, Nebenräumen, einer Schuldienerwohnung und einer Turnhalle ganz am Rande des damals bebauten Gebietes in der heutigen Jann-Berghaus-Straße 56 (damals der Schafsweg) gebaut. Die Schule wurde mit Dampf beheizt und mit Gaslampen beleuchtet. Die Gasrohre liegen zum Teil noch heute an der Decke. (Das war im Jahr 2000) Die 300 000 Mark Baukosten wurden zu einem Teil durch den Verkauf der bisherigen Schulgebäude und Schulgrundstücke im Stadtkern gedeckt. An einem stürmischen Herbsttag, am 15. Oktober 1900 fand die feierliche Einweihung statt. Bei dem feierlichen Umzug von der alten zur neuen Schule sollen bei starkem Westwind die Zylinderhüte der Teilnehmer als Erste die neue Schule erreicht haben.
Für Rektor Volkmann wurden die Schwierigkeiten aber nicht geringer. Die acht Jahrgänge der Volksschule wurden in 6 Stufen eingeteilt, das bedeutete, dass vor allem in den unteren Klassen meistens zwei Jahrgänge kombiniert wurden. Über 70 Kinder saßen dann oft in einer Klasse. lm Sommer wurde immer noch ein großer Teil vor allem der älteren Schüler ganz oder für einen Teil des Unterrichts beurlaubt, um den Eltern zu helfen. ln einem Bericht beklagt Rektor Volkmann dann auch, dass 42 % der Kinder die letzte Klasse der Volksschule nicht erreichen.
Zu einer vollständigen Mittelschule gehörte damals eine Vorschule für die Kinder des 1. bis 3. Schuljahres. 1898 war eine Mittelschule im Aufbau gegründet worden. In der ersten Klasse dieser Schule wurden Kinder des 1. und 2. Schuljahres unterrichtet. Jedes Jahr sollte eine weitere Klasse bis zum vollen Ausbau der Mittelschule gebildet werden. Die bisherigen Mittelschulklassen mit Schülern des 5. bis 8. Schuljahres wurden auch als gehobene Klassen oder Mittelschulklassen der Volksschule bezeichnet. Diese gehobenen Klassen hatten damals nur wenige Schüler. Das lag zum Teil daran, dass auf Norderney damals mehrere weiterführende Privatschulen bestanden, in die vor allem begüterte Eltern ihre Kinder schickten. Dazu kam die Forderung der Regierung nach einer mindestens fünfstufigen Mittelschule mit getrennten Jungen- und Mädchenklassen, um die Anerkennung als amtliche Mittelschule zu bekommen. Aber für die Anstellung weiterer Mittelschullehrer hatte die Stadt, die sich mit dem Schulbau schon übernommen hatte, kein Geld.
Daraufhin wurde die noch im Aufbau befindliche Mittelschule Ostern 1902 aufgelöst und in eine private weiterführende Schule umgewandelt, in die 1903 auch die beiden gehobenen Klassen überführt wurden. Die nebenher bisher bestehenden Privatschulen wurden weitgehend in diese neue „Höhere Privatschule für Knaben und Mädchen“ integriert. Diese Schule fand ihren Platz im Westteil des Zentralschulgebäudes und wurde fast ausschließlich durch Schulgeld der Eltern finanziert.
Rektor Volkmann, der bis zuletzt versucht hatte, eine Lösung zu finden, um die amtliche Mittelschule zu erhalten, starb am 3.1.1903, vermutlich, weil er sich im Winter im ungeheizten Rektorzimmer überarbeitet und stark erkältet hatte.
Sein Nachfolger wurde am 1.4.1903 Jann Berghaus. Dank seines politischen Geschicks, seines Verhandlungsvermögens und dem guten Verhältnis zu Behörden und Kollegen gelang ihm, was seinem Vorgänger nicht vergönnt war. Die Privatschule, mit der viele nicht zufrieden waren, wurde 1905 wieder aufgelöst. Viele waren mit ihr auch nicht zufrieden gewesen, weil an ihr die Lehrer, deren Ausbildung auch oft ungenügend war, oft wechselten. Auch war das Schulgeld sehr noch und trotzdem musste die Stadt mehr Zuschüsse bezahlen, als geplant war.
Nun bewilligte die Regierung auch die Vorschläge, die schon Rektor Volkmann gemacht hatte. Die gehobenen Klassen wurden wieder eingeführt und nach und nach zu einer Mittelschule ausgebaut.
Ostern 1906 wurde die Herbsteinschulung für die Volksschule aufgehoben. Aufnahme und Entlassung fanden jetzt nur noch zu Ostern statt. Die Schülerzahlen erreichten einen neuen Höhepunkt. Als der Kaiser am 18.6.1906 Norderneye besuchte, wurde er von fast 900 Schülern und Schülerinnen begrüßt.
Zu Ostern 1911 wurde das 9. Schuljahr für die gehobenen Klassen eingeführt. Erst 1914 durfte für diese Klassen dann aber die Bezeichnung Mittelschule zu Norderney gebraucht werden und 1915 wurde sie zur voll ausgestalteten Mittelschule erklärt.
Pan 27. Juni 1912 überflog zum ersten Mal ein Zeppelin die Insel. „Im Nu waren alle Klassen leer“, schreibt Berghaus in der Chronik.
Der Beginn des 1. Weltkrieges 1914 brachte neue Erschwernisse. Ein Drittel der Lehrer wurde eingezogen und musste an der Front oder als Inselwache Dienst tun. Lehrerinnen, die dafür einspringen konnten, wurden überall händeringend gesucht, waren aber nur schwer zu bekommen. Für die Norderneyer begann eine schwere Zeit.
Die Insel wurde für Fremde gesperrt. Damit war die Haupteinnahmequelle versiegt, die Ausgaben aber, auch die Hypothekenzinsen für die vielen Neubauten, liefen weiter. Die Norderneyer hungerten.
1918 wurde Jann Berghaus, der sich schon lange politisch betätigt hatte, zum Bürgermeister der Insel gewählt und wurde bald darauf Mitglied des Reichstags in Berlin.
Am 1.10.1918 wurde Rektor Wilhelm Sander neuer Schulleiter. Gleich in den ersten Wochen seiner Tätigkeit übernahm damals der Arbeiter- und Soldatenrat die Macht. ln der Schulchronik berichtet er, wie es fast noch nach Ende des Krieges zu kämpferischen Auseinandersetzungen auf Norderney gekommen wäre. Die Marine meuterte. Die Seeflugstation mit den revoltierenden Marinesoldaten und die lnselkommandantur standen sich vorübergehend feindlich gegenüber. Minenwerfer- und Maschinengewehrabteilungen der lnselkommandantur standen gegen die Flugstation in Bereitschaft, während auf der Gegenseite Kampfflieger bereit waren, die Insel und die Inselwache zu bombardieren. Es kam dann aber doch noch zu einer friedlichen Machtübernahme. Jann Berghaus hatte von diesem Zeitpunkt an längere Zeit einen Soldaten des Arbeiter- und Soldatenrates, der ihn kontrollierte neben seinem Bürgermeisterschreibtisch.
Die Schule klagt in den folgenden Jahren über große Raumnot. Lebensmittel und Heizmaterial wurden zwangsbewirtschaftet. Die Stadt hatte große Vorräte aufgekauft und lagerte sie in der Schule. So befanden sich in einem Klassenraum Erbsen, in zwei Räumen Kartoffeln, in einem anderen Raum Torf. In Raum 1 tagte der Arbeiter- und Soldatenrat, später wurden dort die Lebensmittelkarten ausgegeben. Erst 1922 konnte die Schule alle Räume, die zum Teil stark gelitten hatten, wieder benutzen. Trotzdem entwickelte sich die Schule weiter.
1918 ging die Schulaufsicht, die bisher immer noch von der Kirche durchgeführt wurde, auf den Staat über. Schulräte als Fachbeamte waren jetzt für die Schulen zuständig.
1919 wurde die sechsstufige Volksschule mit getrennten Jungen- und Mädchenklassen in eine achtstufige Schule mit gemischten Klassen umgewandelt. Jetzt waren in jeder Klasse nur noch Schüler eines Jahrgangs. Gleichzeitig wurde auch der Nachmittagsunterricht bis auf wenige Ausnahmen abgeschafft. Unterricht fand jetzt an 6 Tagen von 8 bis 13 Uhr statt. Elternbeiräte wurden in ganz Deutschland an den Schulen eingerichtet. Elternabende für die ganze Elternschaft mit Vorträgen und Vorführungen fanden statt.
1920 wurde, beginnend mit dem neu eingeschulten Jahrgang, schrittweise die gemeinsame vierjährige Grundschule für alle Schüler eingeführt. Die dreijährigen so genannten Vorschulen an den weiterführenden Schulen, die auf Norderney aber schon nicht mehr bestanden, wurden überall abgeschafft. Für die Mittelschüler, die aus dieser vierjährigen Grundschule hervorgingen, verlängerte sich damit die Schulzeit auf 10 Jahre. 1921 wurde im Schulgebäude ein Schulkino eröffnet.
1922 wurde Jann Berghaus zum Regierungspräsidenten von Ostfriesland ernannt. ln den schwierigen Nachkriegsjahren seiner Zeit als Bürgermeister hatte er sehr erfolgreich für Norderney gewirkt. Er hatte für Arbeit und Ernährung gesorgt, hatte eine Neubelebung des Kurbetriebs in Gang gebracht und vor allem die „lnselhilfe“ bewirkt. Damit war der Aufkauf aller Hypotheken der im Krieg in Not geratenen Inselbewohner durch den Staat gemeint, die nun zu sehr günstigen Bedingungen getilgt werden konnten. Zum Dank benannten die Insulaner die bisherige Schulstraße nach ihm.
Die zunehmende Geldentwertung 1922/23 bewirkte auch auf Norderney Arbeitslosigkeit und zunehmende Verarmung. Ein Teil der Erwerbslosen fand damals Arbeit beim Bau des „Hungerdeiches“ am Leuchtturm. Um für bedürftige Schüler Lern- und Arbeitsmittel kaufen zu können, wurde auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung eine Geldsammlung veranstaltet. Die Sammlung erbrachte einen Handkoffer voll Geld, das vier Lehrer drei Stunden lang zählen mussten. Aber durch die Inflation war das schon nach wenigen Tagen, umgerechnet in Waren, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das kulturelle Leben blühte trotzdem. Die Chronik zählt allein 31 Vereine und Organisationen auf, die, vor allem im Winter, regelmäßig im Schulgebäude zusammenkamen.
1926 gründeten Rektor Sander und Lehrer Richard Siemers den Heimatverein Norderney. Lehrer Siemers, von 1921 bis 1947 Lehrer auf Norderney, leitete den Schulchor, gründete ein Schülerorchester und wurde durch seine zahlreichen musikalischen Veranstaltungen mit Schülern sehr bekannt.
1930 wurde ein vorbildlich ausgestatteter Physik / Chemieraum im 1. Obergeschoss der Schule eingerichtet.
1932 wurde der Posten des Mittelschulrektors neu geschaffen und damit die Leitung der drei Schulen im Zentralschulgebäude (Volks-, Mittel- und Berufsschule) verbunden. Der bisherige Volksschulrektor Sander wurde zum Mittelschulrektor ernannt.
Am 30.1.1933 erfolgte die Machtübernahme durch den Nationalsozialismus. Rektor Sander äußerte sich in seiner Chronik zunächst sehr hoffnungsvoll über die nun beginnende neue Zeit. Schon wenige Monate später, als im Juli 1933 Bürgermeister Lührs wegen politischer Unzuverlässigkeit entlassen wurde, sprach er zwar keine offene Kritik aus, lobte aber den ausgeschiedenen Bürgermeister in der Chronik sehr und dankte ihm für seine bisherige Tätigkeit. In der Folgezeit kam es häufiger zu Kon?ikten zwischen ihm und der Parteiführung. lm Kollegium waren die Meinungen über die neuen Machthaber sehr geteilt.
lm September 1933 bekamen die Berufsschulklassen einen eigenen Leiter und zogen aus der Zentralschule in das Deutsche Haus um.
Am 13.2.1936 starb Rektor Sander mit 51 Jahren.
Sein Nachfolger wurde am 1.12.1936 der Mittelschulrektor Hans Bandlow. Er hatte nun dafür zu sorgen, dass die Schule ganz im Sinne der NSDAP arbeitete. Lehrerbibliothek und Schulbücher wurden daraufhin durchgesehen, ob sie auch das nationalsozialistische Gedankengut vertraten. In allen Klassen hing ein Bild des „Führers Adolf Hitler“. Bald waren alle Schüler und Schülerinnen (mit einer Ausnahme) vom 5. Schuljahr ab an in den Jugendorganisationen der Partei. Doch davon abgesehen war er ein tüchtiger Schulleiter, der sich sehr um den Erhalt und den weiteren Ausbau der Schule bemühte und für eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung sorgte. Damals herrschte ein häufiger Lehrerwechsel. Die Schülerzahlen waren durch den Ausbau des Fliegerhorstes und den damit verbundenen Zuzug vieler Familien mit Kindern wieder stark angewachsen. Es fehlten Klassenräume und Lehrer.
Ostern 1939 mussten in einer 5. Klasse fast 70 Kinder unterrichtet werden. Der Zeichensaal wurde Schulklasse und einige Räume wurden von zwei Klassen nacheinander benutzt. Herr Bandlow sprach schon damals von der Notwendigkeit, für die Mittelschule ein neues Gebäude zu errichten, damit die Volksschule die freiwerdenden Räume übernehmen konnte. Er bereitete die Trennung organisatorisch weitgehend vor und erreichte, dass Volksschule und Mittelschule je einen eigenen Schulleiter bekamen. Er blieb weiterhin Mittelschulrektor.
Am 12.4.1939 trat der Volksschulrektor Kurt Liebetrau seinen Dienst als Leiter der Volksschule Norderney an.
Sport spielte in dieser Zeit an der Schule eine große Rolle. Jeden Dienstagnachmittag wurde zusätzlich zum Sportunterricht Leichtathletik trainiert und am Freitagnachmittag fand als vormilitärische Ausbildung ein Training im Kleinkaliberschießen statt.
Dann begann am 24. August 1939 mit dem Einmarsch in Polen der 2. Weltkrieg. Fünf Lehrkräfte wurden zunächst eingezogen. Teilweise übernahmen Ruhestandslehrer ihre Arbeit. Die Insel wurde zur Festung ausgebaut. Da bald in jeder Nacht englische Bomber über die Insel ?ogen, wurden im unteren Flur als Bombensplitterschutz die Fenster außen und innen zugemauert, ebenso der Haupteingang. Nur in den unteren Klassen, die eine Verdunkelung bekamen, durfte in Schichten unterrichtet werden. Dafür war jetzt die Schule täglich 10 Stunden belegt. Ein Teil der Klassen wurde auch in anderen Gebäuden unterrichtet, um eine Anhäufung von Schulkindern, für die noch kein Luftschutzbunker zur Verfügung stand, zu vermeiden.
lm strengen Winter 1939/40 fiel wegen Kohlenmangel über einen Monat die Schule aus. Zweimal die Woche mussten die Schüler zur Schule kommen, sich Hausaufgaben abholen und die alten Aufgaben zur Kontrolle abgeben. Die Insel wurde damals über die Luft versorgt, später auch mit Wagen über das zugefrorene Watt. Das Sammeln von Altmaterial wurde für die Schüler zur „Kriegspflicht“. Im Keller der Schule lagerten Altpapier, Metalle, Lumpen usw.
Am 19. und 20. Juni 1940 kam es dann zu britischen Bombenangriffen, bei denen es zum Glück nur zu Sachschäden kam. Nach nächtlichem Luftalarm begann die Schule nun später und die Sommerferien wurden für die übermüdeten Kinder dann bis in den September ausgedehnt. Auch danach wurde der Unterricht stark gekürzt. Es durften nie mehr als 4 Klassen im Gebäude sein. lm April 1941 kam es dann auch zum Tagesangriff der britischen Flugzeuge. Es kam zu starken Zerstörungen.
Mehrere Tote waren zu beklagen. Auch Kinder auf dem Schulhof waren mit Maschinengewehren beschossen worden, zum Glück ohne getroffen zu werden.
Norderney wurde für die Kinder zu unsicher. Als Folge sollten Mütter mit Kleinkindern nach Hessen und die Grundschüler sollten in P?egestellen auf das Festland in bisher bombensichere Gebiete. Die Oberklassen reisten am 21. Mai 1941 geschlossen mit ihren Lehrern nach Österreich in die Gegend um Salzburg. Für viele Norderneyer war das ein bis heute unvergessliches Erlebnis. Erst im Oktober kehrten sie von dort zurück. ln diesem Jahr wurde der Beginn des Schuljahres wieder auf den Herbst verlegt.
Von diesem Zeitpunkt an lässt sich auch die Schulchronik leichter lesen, denn im Herbst 1941 wurde die deutsche Schrift als Schulschrift abgeschafft und die Normalschritt, die unserer heutigen Ausgangsschrift ähnelt, eingeführt.
1942 sollte die Mittelschule schrittweise abgeschafft werden und an ihre Stelle trat die Hauptschule, die als weiterführende Schule parallel zur Volksschule für alle begabten Schüler, die nicht zum Gymnasium wechselten, schon nach acht Schulbesuchsjahren zu einem Abschluss führen sollte.
Im Herbst 1942 wurden alle oberen Klassen an 9 Tagen zum Sanddornbeerenpflücken eingesetzt. Die Beeren wurden wegen ihres Vitamingehalts für die Wehrmacht gebraucht. Fast 950 kg wurden geerntet.
Die Schule lief während der Kriegsjahre unter den erschwerten Bedingungen weiter und die Lehrer bemühten sich, trotz gekürzter Haushaltsmittel, Luftschutzalarm, fehlender Räume, schlechter Lehrmittelzuteilung und ungenügender Lehrerversorgung einen halbwegs normalen Unterricht zu erteilen. Sie betonten, dass die Leistungen der Schüler aber weiterhin gut blieben.
Anfang 1944 wurden die Jahrgänge 1927/28 der Jungen als Marinehelfer eingezogen. Sie kamen morgens in Uniform zur Schule und marschierten mittags geschlossen zur Kaserne zurück.
ln der Chronik wurden die Berichte über die siegreiche Wehrmacht sichtlich zurückhaltender. Als am 27.7.1944 der Rektor Liebetrau eingezogen wurde, schrieb sein Vertreter, Rektor Jann Müller, in die Chronik: „Immer mehr eilen wir dem Zusammenbruch entgegen." Ab Februar 1945 ?el der Unterricht weitgehend aus. Die Kinder holten nur noch Hausaufgaben ab. Am 25.3.1945 fand die Schulentlassung statt. Gleich anschließend wurden die Jungen des Jahrgangs 1929 noch eingezogen.
Dem Kommandanten der Festung Norderney, Fregatten-Kapitän Duve, ist es zu verdanken, dass dieser Jahrgang nicht noch sinnlos im Krieg geopfert wurde. Er verhinderte durch eine vorsorgliche Anfrage (so steht es in der Chronik), dass in den letzten Wochen des Krieges Norderney noch angegriffen wurde und übergab die Insel kampflos der britischen Besatzungsmacht. Am 8. Mai 1945 war die Kapitulation.
Fast ein halbes Jahr fiel der Unterricht aus. Mehrere Lehrkräfte, darunter auch die bisherigen Schulleiter, wurden von der britischen Militärregierung wegen „nationalistischer und militaristischer Betätigung“ fristlos entlassen. Der Lehrer Heinrich Müller wurde mit der Leitung der Volksschule beauftragt.
Am 28. August 1945 begann die Volksschule wieder, zwei Wochen später wurde die Mittelschule mit dem neuen Rektor Heinrich Thiemens wieder eröffnet und am 29. September fand die erste Einschulung nach dem Krieg statt. Zwei Klassen mit je 72 Kindern wurden von Fräulein Peters und Fräulein Folkerts betreut. Zum Glück kam zwei Monate später Fräulein Gobel neu dazu und es konnten aus den inzwischen 147 Lernanfängern drei Klassen gebildet werden. Die Schülerzahlen für die Volks- und Mittelschule, die sich nach dem Höhepunkt vor dem 1. Weltkrieg allmählich auf rund 500 Kinder eingependelt hatten, stiegen durch den Flüchtlingszustrom sprunghaft auf 920 Schüler an. Dazu kamen im Winter 45/46 noch 260 Kinder aus Berlin, die mit ihren Lehrern nach Norderney gekommen waren und nachmittags in der Volksschule unterrichtet wurden.
Der Schuljahresbeginn wurde jetzt wieder auf Ostern verlegt. Dadurch wurden am 24. April 1946 nur 57 Kinder, die in der Zeit von Herbst bis Ostern 6 Jahre alt geworden waren, neu in eine erste Klasse eingeschult.
An allen Dingen herrschte Mangel. Im Sommer 1946 nahmen die oberen Schulklassen drei Wochen an einer Torfgewinnungsaktion in Berumerfehn teil, um für den nötigen Brennstoff im Winter zu sorgen.
Am 1. August 1946 trat Rektor Heinrich van Düllen seinen Dienst in der Volksschule an und löste den Lehrer Heinrich Müller ab, der bis dahin kommissarisch die Schule leitete. An der Mittelschule wurde Herr August Rosbach neuer Schulleiter.
Bei einer amtsärztlichen Untersuchung im Oktober 1946 stellte man bei über 60% der Kinder einen sehr schlechten Gesundheitszustand fest. 64 % hatten Untergewicht. Darauf wurde seit dem 31.3.1947 die Schulspeisung eingeführt und die Schüler bekamen nachmittags eine Sonderration von einem Viertelliter Magermilch. Überall herrschte Mangel. Schuhe waren kaum zu bekommen. Lehrer Hönnig schrieb 1947 an seinen Rektor, er könne nicht zur Schule kommen, weil sich von seinem einzigen Paar Schuhe die Sohlen gelöst hatten. Er brauchte dringend einen Bezugsschein für neue Schuhe. Die Kinder mussten daraufhin zum Unterricht zu ihm in die Siedlung kommen. Einen Tag später bekam er seinen Bezugsschein.
Die Schülerzahlen stiegen weiter, ohne dass auch sofort entsprechend viele Lehrer eingestellt werden konnten.
Ostern 1947 wurden 223 Schulanfänger neu eingeschult. Für die vielen Flüchtlingskinder, die zum Teil schon über zwei Jahre keine Schule mehr besucht hatten, wurde eine besondere Klasse unter der Leitung des Hauptlehrers Koch gebildet, in der sie versuchen sollten, den Anschluss zu finden. Ein Teil der Schüler musste bei den beengten Raumverhältnissen vorübergehend in der Turnhalle des Kinderheimes Dresden unterrichtet werden. Im August 1948, im Jahr der Währungsreform, wurde Herr Tobias Remmers Schulleiter der Mittelschule.
Ihren Höhepunkt erreichte die Schülerzahl im Jahr 1949. Am Stichtag, dem 1.5.1949, besuchten 1419 Schüler der Volks- und Mittelschule das Gebäude in der Jann-Berghaus-Straße. Die qualvolle Enge, die dort herrschen musste, können wir uns heute kaum noch vorstellen. Trotz der geringen Mittel und der vielen Einschränkungen, die man hinnehmen musste, berichtet die Chronik auch aus diesen Jahren von Ausflügen aufs Festland, vom gemeinsamen Zirkusbesuch, von Sportfesten, Theateraufführungen und gemeinsamen Feiern zu Martini und Weihnachten.
Am 1. April 1950 wurde Herr Heinrich Smeins neuer Volksschulrektor. Zwar gingen die Schülerzahlen jetzt leicht zurück, aber immer noch waren allein an der Volksschule schon 1002 Kinder, die von 20 Lehrern betreut werden und in 12 Unterrichtsräumen untergebracht werden mussten. Dazu kamen noch 315 Mittelschüler im Gebäude.
Für Herrn Smeins war es sehr wichtig, die Ergebnisse der Unterrichtsarbeit auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um Schüler und Lehrer zu motivieren und das Interesse der Eltern an der Schule wach zu halten. Dazu dienten die Feiern mit Laienspiel, musikalischen und vielen anderen Darbietungen, die jedes Jahr um die Adventszeit im Kurtheater vor vollbesetztem Haus stattfanden und die Ausstellungen, die alle zwei Jahre im Wechsel mit der Mittelschule erfolgten. Auch die Sportfeste, die regelmäßig im Sommer und Winter ausgerichtet wurden, spielten in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Ostern 1952 zog die Mittelschule aus dem Zentralschulgebäude aus in das Gebäude an der Mühle. Die Raumnot wurde dadurch etwas gemildert. In den folgenden Jahren wurde die Schule ausstattungsmäßig und organisatorisch weiter ausgebaut.
In den Jahren 1953 bis 1956 p?anzte Lehrer Bartelt mit seinen Schülern die Pappeln, die zu einem Teil heute noch auf dem Ostschulhof stehen.
Von 1957 bis 1962 wurde das ganze Mobiliar in den Klassenräumen erneuert. Ein Teil dieser Möbel ist noch heute im Einsatz. (Das war im Jahr 2000.)
1962 wurde das 9.Volksschuljahr eingeführt. 1963 wurde ein Werkraum am Ostgiebel der Turnhalle angebaut. Ab 1967 wurde der Schuljahresbeginn auf den 1. August festgelegt.
Ab 1968 begann man mit der Planung eines Schulzentrums an der Mühle. Danach sollten im Gebäude der bisherigen Volksschule nur noch die vier Jahrgänge der Grundschule, ein Schulkindergarten und eine Sonderschulklasse verbleiben. Dieses Konzept wurde schrittweise verwirklicht. 1968 wurde die Heizung von Koksbefeuerung auf Erdgas umgestellt.
Im Schuljahr 1970/71 wurde eine Sonderschulklasse, geleitet von dem Sonderschullehrer Brandes, eingerichtet.
1971 konnte die gemeinsame Eingangs- und Förderstufe mit allen Kindern des 5. Schuljahres am Schulzentrum ihre Arbeit aufnehmen.
Am 1.11.1971 übernahm die Sozialpädagogin Frau Jähnichen die Leitung des neu gegründeten Schulkindergartens in der Grundschule.
1973 wurde in der Grundschule die Vorschule mit 6 Vorklassen eingerichtet, die von fast 100% der fünfjährigen Kinder auf Norderneyer besucht wurde.
lm gleichen Jahr wurde aus der gemeinsamen Eingangs- und Förderstufe die Orientierungsstufe. Danach gab es keine Volksschule mehr auf Norderney, sondern eine Grundschule mit Sonderklasse, Vorklassen und Sonderschulklasse im Gebäude an der Jann-Berghaus-Straße. eine Orientierungsstufe und eine Realschule im neuen Schulzentrum an der Mühle und eine Hauptschule, die organisatorisch zwar noch der Grundschule angeschlossen war, die sich aber im Schulzentrum und vorläufig bis zur Vollendung des letzten Bauabschnitts teilweise noch im ehemaligen Berufsschulgebäude (heute Haus der Begegnung) befand.
Im Grundschulgebäude war jetzt mehr Platz. Der bisherige Physikraum wurde zum Filmraum umgebaut, ein Klassenraum neu als Sachkunde- und Mehrzweckraum ausgestattet. Die Turnhalle wurde grundlegend saniert und an die Bedürfnisse einer Grundschule angepasst.
Am 1.2.1974 wurden überraschend fünf Lehrkräfte an die Grundschule versetzt. Zum ersten Mal wohl in der ganzen Geschichte der Norderneyer Schulen und wohl auch zum letzten Mal gab es keinen Lehrermangel. Alle vorgeschriebenen Stunden der Unterrichtsrichtlinien konnten auch erteilt werden, wenn auch nur kurze Zeit.
Am 1 .4.1974 trat Herr Smeins aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand.
Sein Nachfolger als Grund- und Hauptschulrektor wurde am 1.8.1974 Herr Karl-Heinz Türk. Er verabschiedete Ostern 1975 im Musikraum der Grundschule die Schulabgänger, die 9 Jahre zuvor im gleichen Gebäude noch eingeschult worden waren. Danach erfolgte nach Fertigstellung des letzten Bauabschnitts des Schulzentrums auch die organisatorische Trennung der Grundschule von der Hauptschule, die jetzt eine eigene Leiterin bekam.
Am 11. Dezember 1975 fand der erste Nikolaus-Basar statt. In der ganzen Schule wurde vormittags und nachmittags gebastelt, gespielt, Theaterstücke aufgeführt, Waffeln gebacken, ein Flohmarkt fand statt und viele andere Dinge mehr. Der Erlös (3450 DM!) wurde für den Aufbau einer Schülerbücherei genutzt. Dieser Basar findet seitdem noch heute alljährlich unter dem Namen Adventsbasar oder Fröhlicher Advent statt.
Der Anfang zum schulfreien Samstag wurde 1975 gemacht, als an den verkaufsoffenen Samstagen am 4.9. 6.11. und 4.12.75 unterrichtsfrei war. Die ausfallenden Stunden wurden nachgeholt. lm folgenden Schuljahr war dann jeweils der erste Samstag im Monat schulfrei.
Die sinkenden Schülerzahlen in den folgenden Jahren ließen außerhalb der Schule die Diskussion darüber aufkommen, ob nicht eines Tages Räume in beiden Schulgebäuden über?üssig werden und eines Tages auch die Grundschüler in das Schulzentrum an der Mühle umziehen könnten. Die Raumbedarfspläne beider Schulleiter schlossen diese Möglichkeit aber aus. (Diese Diskussion kam auch in den vergangenen Jahr immer mal wieder auf.)
In Folge des „Pillenknicks“ pendelten sich die Einschulungszahlen in den folgenden Jahren auf etwa 50 bis 55 Schüler ein. Etwas zur Stabilisierung der Schülerzahlen trug auch das neu gegründete Internat für Asthma- und Allergiekranke bei, deren Kinder die öffentlichen Schulen auf Norderney besuchten. Damit konnte die Grundschule pro Jahrgang zwei- bis dreizügig geführt werden. Diese Schülerzahlen ermöglichten es, 1979 den Klassenraum 1 in ein Schulleiterzimmer und Sekretariat umzubauen. Das bisherige winzige Rektorzimmer, das sich Rektor, Konrektor und Sekretärin teilen mussten, wurde zum Elternsprechzimmer, später zum Konrektorzimmer.
1982 wurden im Westflügel im Erdgeschoss und im 1. Stockwerk jeweils zwei der etwas kleineren Klassenzimmer durch einen Wanddurchbruch zu zwei großen Räumen verbunden, die den Kindern der Vorschule endlich den nötigen Spielraum verschafften. Als Schallschutzmaßnahme wurden Klassen mit Teppichboden ausgelegt.
1986 wurden auf allen drei Fluren des Ostflügels Toiletten eingebaut.
1988 begann man mit dem Einbau neuer Fenster. Dabei achtete man diesmal darauf, dass die Fenster im Stil zu der alten Schule passten. Bis 1990 war auch die Renovierung der Außentoiletten abgeschlossen. Auch auf dem Schulhof wurde das Angebot für die Kinder verbessert:
1979 wurden auf dem Westschulhof die ersten Klettergerüste aufgestellt. 1980 wurden auf dem Ostschulhof die Bunkerköpfe verkleidet und zu Rutschen umgebaut. 1981 wurde dort eine Laufbahn und eine Sprunggrube angelegt. 1987 ermöglichte der Förderkreis der Norderneyer Schulen die Aufstellung von Klettergerüsten und Spielgeräten auf dem Ostschulhof.
Am 1.12.1990 ging Herr Türk nach längerer Krankheit vorzeitig in den Ruhestand. Seine Nachfolge trat nach längerer Vakanz als erste Schulleiterin in der Geschichte dieses Schulgebäudes am 1.2.1992 die Rektorin Frau Ute Lücke an. Sie gründete schon sehr bald den Kinderchor neu, der seitdem sehr oft und erfolgreich in der Öffentlichkeit mit kleineren Beiträgen und zum Teil auch sehr anspruchsvollen und umfangreichen Singspielen aufgetreten ist.
Die leicht steigenden Schülerzahlen machten es schon 1993 erforderlich, dass der bisherige Filmraum als Klassenraum eingerichtet werden musste.
1994 ermöglichte der Förderkreis die Anschaffung neuer Spiel- und Klettergeräte auf dem Westschulhof.
Zum 1. Februar 1995 wurde die Fünftagewoche auch an unserer Schule eingeführt.
1995 fehlte ein weiterer Klassenraum. Darauf machte man aus dem bisherigen Sachunterrichts- und Mehrzweckraum wieder einen Klassenraum und der Werkraumtrakt im Anbau an der Turnhalle wurde umgebaut. Dadurch entstanden ein neuer Werkraum und ein Mehrzweckraum. Durch eine großzügige Spende der Reederei Frisia konnte hier eine moderne Küche eingebaut werden, die im Unterricht der Sonderklasse und der Grundschule sehr häufig benutzt wird.
Bis 1998 waren mit dem Einbau der beiden Haupteingangstüren auch alle Außentüren stilgerecht durch neue Holztüren ersetzt worden. Die Fenstergitter der Eingangstüren wurden nach alten Fotovorlagen angefertigt und zeigen jetzt wieder, wie die ersten Türen, in Eisen geschmiedet das Gründungsjahr dieses Gebäudes, 1900.
Ganz sicher wird dieses Gebäude in den nächsten Jahrzehnten noch häu?ger um- und ausgebaut werden müssen, um möglichst viele der Anforderungen an ein modernes Schulgebäude erfüllen zu können. Ganz sicher hat es aber auch mit seinem Stil, seiner Geschichte und seiner Atmosphäre manchen neueren und moderneren Schulgebäuden etwas voraus. Ich wünsche ihm, dass es noch sehr lange dem Zweck dienen kann, für den die Norderneyer Stadtväter es vor 100 Jahren einmal bestimmt hatten.
Vielleicht schreibt ja im Jahre 2100 jemand den zweiten Teil dieser Chronik.
Alfred Schoolmann
Einige Ergänzungen - zum 125. Geburtstag unseres Grundschulgebäudes
Und Alfred Schoolmann hat Recht gehabt, denn auch in den Jahren nach 2000 gab es viele bauliche Verbesserungen an unseren wunderschönen Schulgebäude und andere Schritte in die richtige Richtung:
• Das Dach wurde neu gedeckt.
• Wir haben uns ein frisches Schullogo gegönnt.
• Wir sind Ganztagsschule geworden. Im westlichen Teil des Gebäudes ist die Nachmittagsbetreuung untergebracht.
• Alle Stromleitungen im Inneren des Gebäudes wurden neu verlegt.
• Der hoffentlich letzte Anstoß, unseren Schulstandort aufzugeben, wurde 2018 mit einem großen finanziellen Aufwand zu den Akten gelegt.
• In den Klassen stehen nun zeitgemäße Schulmöbel, z.B. sind die Tische höhenverstellbar.
• In vielen Räumen sind die Decken mit Akustikplatten ausgestattet, die für eine tolle Verbesserung des akustischen Raumklimas sorgen. Der Ausbau geht weiter.
• In allen Unterrichtsräumen gibt es Smartboards, die uns sehr gute Dienste leisten.
• Dank der Unterstützung des Förderkreises gibt es in jeder Klasse vier Tablets und bald auch einen vollständigen Klassensatz.
• Unsere Mensa hat einen kleinen und sehr hilfreichen Anbau bekommen.
• Die Spielgeräte auf dem Schulhof Ost wurden fachgerecht repariert, die Gartenanlagen sind verschönert worden und es gibt eine neue Gartenhütte, in der die Schülerinnen und Schüler Spielzeuge für die Pausen und Nachmittagsbetreuung ausleihen können.
• Die lange Zeit leerstehende Hausmeisterwohnung ist in eine zauberhafte Wohnung für eine Lehrerin oder einen Lehrer und ein schönes Büro für die Mitarbeiterin der Stadt umgebaut worden. Die Mitarbeiterin unterrichtet und fördert dort Deutsch für Migrantinnen und Migranten.
• Die Temperatur in der Turnhalle kann nun durch Thermostate geregelt werden.
• Wir haben alle vier Jahre ein Zirkusprojekt, bei dem alle Schülerinnen und Schüler mit Zirkusprofis arbeiten und am Ende einer Trainingswoche vier Shows in einem echten Zirkuszelt präsentieren.
Leider hat Alfred Schoolmann auch damit Recht gehabt, dass die Versorgung mit Lehrerstunden nur einmal für kurze Zeit ausreichend war, um alle vorgeschriebenen Unterrichtsstunden erteilen zu können.
Von den überaus hilfreichen Einrichtungen Schulkindergarten, Vorklasse und Förderschulklasse mussten wir uns verabschieden. Die Stelle einer Konrektorin oder eines Konrektors wurde wegen der gesunkenen Schülerzahl gestrichen.
Falls ihr den sehr langen und sicherlich mit sehr viel Arbeit verfassten Text von Alfred Schoolmann gelesen habt, wird euch aufgefallen sein, dass sich viele Sachen im Laufe der Geschichte wiederholen. In dem Text „Kleine Norderneyer Schulgeschichte“, den mir ein freundlicher Mitarbeiter von Stadtarchiv geschickt hat, steht etwas über den herausragenden Schulleiter, Politiker und Frisia Mitbegründer Jann Berghaus. Das passt heute leider ebenso gut, wie vor etwa 100 Jahren.
- 1932 wählten viele Norderneyer die NSDAP. Jann Berghaus redete seinen Norderneyern noch einmal ins Gewissen:
„Jede Gemeinde, auch die Gemeinde Norderney, hat einen berechtigten Anspruch auf eine gewisse Zahl dummer Leute. Wenn aber hier bei der Reichspräsidentenwahl ein Drittel aller Stimmen für die NSDAP abgegeben worden ist, dann ist die erlaubte Grenze erheblich überschritten."
Es war vergeblich. Ein Jahr später durfte Berghaus nichts mehr sagen.
Möge uns die Freiheit der Rede noch lange Zeit erhalten bleiben.
Martin Pape
Schuldaten
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- Kategorie: Schule
| Anschrift | Grundschule Norderney Jann-Berghaus-Straße 56 26548 Norderney |
| Telefon | 04932 - 24 19 |
| Fax | 04932 - 99 03 21 |
| grundschule(aet)norderney.de | |
| Schulleitung | Martin Pape |
| Büro | Ilona Lübben Montag bis Freitag 7.30 Uhr - 12.30 Uhr |
| Hausmeister | Jann Pauls |
| Schulträger | Stadt Norderney |
Unterrichtszeiten
| 7.30 bis 7.45 Uhr | Ankommen auf dem Schuhof - mit Aufsicht |
| 07.45 bis 8.30 Uhr | 1.Stunde Unterricht (Betreuung Verlässliche Grundschule) |
| 8.30 bis 8.35 Uhr | Wechselpause |
| 8.35 bis 9.20 Uhr | 2. Stunde Unterricht |
| 9.20 bis 9.35 Uhr | gemeinsame Frühstückspause im Klassenraum |
| 9.35 bis 9.55 Uhr | Hofpause 1 |
| 9.55 bis 10.40 Uhr | 3. Stunde Unterricht |
| 10.40 bis 10.45 Uhr | Wechselpause |
| 10.45 bis 11.30 Uhr | 4. Stunde Unterricht |
| 11.30 bis 11.45 Uhr | Hofpause 2 |
| 11.45 bis 12.30 Uhr | 5.Stunde - Betreuung Verlässliche Grundschule - Mittagessen Gruppe 1 |
| 12.30 Uhr | Beginn Ganztagsschule |
| 12.30 Uhr | Ende Verlässliche Grundschule |
| 12.30 bis 13.15 Uhr | 6. Stunde - Betreuung GTS - Mittagessen Gruppe 2 |
| 13.15 bis 14.00 Uhr | Betreuung GTS - Mittagessen Gruppen 3 und 4 |
| 14.00 bis 14.45 Uhr | Hausaufgaben in der Schule |
| 14.45 bis 15.30 Uhr | Ganztagsangebote |
| 15.30 Uhr | Ende Ganztagsschule |
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